Verlieben ist wie Hunger – das kommt immer wieder
Wie die Bürotage von Boris Becker, dem Unternehmer aussehen, warum er Schlamm in seine Haare tut und wie das bei ihm mit den Kondomen so ist
Interview Mareike Ludwig, Christian Thiele – Fotos Oliver Mark
Playboy, Januar 2010
Boris Becker begegnen – das ist eine erstaunlich vertraute Angelegenheit. „Ach Mensch, der Boris halt“, denkt man sich, wenn man ihm gegenübersitzt. Weil er wirklich haargenau so ist, wie er zu sein hat: genau so groß, genau so verschmitzt, genau diese Stimme. Gut, ein bisschen zugelegt hat er vielleicht nach der Hüft-OP links. Drei Monate kein Sport, das ist schwer für eine Bewegungs- und Männlichkeitskanone wie ihn. „Pass auf mit dem Bein“, möchte man sagen, wenn er, der Hüne, durch die Lobby des „Hotel de Rome“ in Berlin hinkt. Aber das würde dann doch zu weit gehen. So gut kennt man ihn auch wieder nicht. Sondern eben nur so, wie zwei bis drei Generationen von Deutschen Boris Becker kennen.
Playboy: Können Sie sich noch daran erinnern, wie und wann Sie das erste Mal ein Autogramm gegeben haben?
Becker: Nein. Aber ich weiß, wann ich mein erstes Autogramm verlangt habe, und zwar von Björn Borg in Hamburg, da war ich zehn Jahre alt. Ich habe gleich fünf verlangt und vier verkauft . . .
Playboy: Das heißt, der Tennisspieler Boris Becker hatte schon immer was vom Unternehmer Boris Becker.
Becker: Ja, die Borg-Autogramme waren möglicherweise der Ursprung meines Unternehmertums.
Playboy: Sie als Geschäftsmann – wie kann man sich das eigentlich vorstellen?
Becker: Mit der Ansprache als Geschäftsmann habe ich mich lange schwergetan, weil man mich eben so lange in kurzen Hosen gesehen hat. Aber mittlerweile sehe ich in kurzen Hosen nicht mehr so gut aus und lasse die langen lieber an . . .
Playboy: Was sind denn die wichtigsten wirtschaftlichen Aktivitäten im Becker-Imperium, geben Sie uns doch da mal einen Überblick!
Becker: Ich bin ja jetzt in Deutschland, und der Staat hört immer mit. Deswegen bin ich da vorsichtig, ins Detail zu gehen, aber na gut: Ich besitze meine drei Autohäuser in Deutschland, ich führe eine Sportmarketing-Firma in der Schweiz und habe andere Firmenbeteiligungen und bin Werbeträger für nationale und internationale Marken. Alles in allem unterstützen mich bei alledem weltweit über 180 Mitarbeiter. Die sitzen nicht alle in einem Büro, sondern das ist eher so ein Firmengeflecht.
Playboy: Von Boris Becker, dem Unternehmer, leben also über 180 Menschen. 180 Menschen, die Miete zahlen, einkaufen gehen, in den Urlaub fahren von dem Geld, was sie bei Ihnen verdienen. Wie fühlt sich das an, diese Verantwortung?
Becker: Das ist eine Riesenverantwortung! Mir ist die sehr bewusst, und ich weiß, was ich dafür tun muss. Ich bin ja andererseits auch abhängig und dankbar für die Unterstützung durch meine Mitarbeiter, sonst könnte ich das ganze Rad gar nicht drehen. Aber dieses Jahr sind die Arbeitnehmer wieder etwas dankbarer geworden, einen sicheren Job zu haben, etwas demütiger, so nach dem Motto: „Links und rechts verlieren meine Freunde ihren Job, ich bin mal froh, dass ich bei dem Alten bin, weil da läuft’s irgendwie immer weiter.“
Playboy: Gab’s dieses Jahr Gehaltserhöhungen in Ihren Unternehmen?
Becker: Es gab keine gravierenden Gehaltserhöhungen. Auch ich bin froh, wenn das Jahr der Wirtschaftskrise rum ist.
Playboy: Deutschland hat Schwarz-Gelb gewählt. Wie sehen Sie das als Unternehmer – Fluch oder Segen?
Becker: Segen, ich bitte Sie! Man darf ja nicht sagen, was man gewählt hat, aber ich habe Schwarz-Gelb gewählt, weil ich mir einfach keine andere politische Lösung in dieser heiklen Wirtschaftskrise vorstellen konnte. Jetzt müssen natürlich die Herrschaften das auch erfüllen, was sie uns versprochen haben, aber auf jeden Fall waren das meine . . . Männer, hätte ich fast gesagt, also meine Frau auf jeden Fall. Ich bin ein großer Fan von Angela Merkel. Das ist sagenhaft, wie diese Frau im Ausland respektiert wird, wie sie auftritt und wie sie uns vertritt! Jetzt müssen wir nur schauen, dass der Standort Deutschland wieder gefragt ist, dass große Unternehmen hier bleiben und nicht outsourcen dahin, wo es billiger ist . . .
Playboy: Oder in die Schweiz gehen . . .
Becker: Ja, da haben Sie Recht. Warum leben denn die bekanntesten, erfolgreichsten und möglicherweise auch reichsten deutschen Sportler alle im Ausland? Weil man uns hier offensichtlich nicht ganz so pflegt und behandelt wie anderswo.
Playboy: Könnten Sie sich denn vorstellen, als Unternehmer wieder zurückzugehen nach Deutschland, wenn Schwarz-Gelb . . .
Becker: Moment, da muss ich Sie korrigieren! Ich bin deutscher Steuerzahler. Meine drei Autohäuser sind in Deutschland, und ich zahle dem deutschen Staat jedes Jahr eine siebenstellige Summe an Steuer.
Playboy: Hoch siebenstellig, niedrig siebenstellig?
Becker: Interessiert nicht!
Playboy: Doch.
Becker: Genug jedenfalls.
Playboy: Gibt es eigentlich Tage, an denen Sie so richtig im Büro sitzen, von neun bis 19 Uhr?
Becker: Gibt es, ich habe mein Büro, klar.
Playboy: Meetings, Sitzungen, der ganz normale Horror?
Becker: Gibt es alles, nur meine Meetings finden eben überall statt, gestern zum Beispiel: Frühstück London, Mittagessen Zürich, Abendessen Berlin. Das war mein Büro gestern. Heute ist es Berlin, heute Abend wieder London, und so geht es weiter. Ich steige ins Flugzeug wie andere Leute ins Taxi oder ins Auto. Das ist meine Realität. So funktioniert Boris Becker, so lebt Boris Becker, und so verkauft sich Boris Becker.
Morgens Zürich, mittags Berlin, abends London: ein Leben wie die Reklame für Drei-Wetter-Taft. So lebt Boris. Man kann es nachleben, dieses Leben, auf Boris-Becker.TV, seinem Internet-Sender. Er funkt rund um die Uhr alles aus seinem Leben in aller Herren Länder: Boris beim Pokern, Boris beim Foto-Shooting und natürlich: Boris beim Heiraten.
Playboy: Wie läuft eigentlich Becker.TV?
Becker: Das müssen Sie beurteilen, ob Ihnen das gefällt, ob Sie da Seiten an mir gesehen haben, die Sie vorher noch nicht kannten.
Playboy: Äh, unsere Frage geht eher an Sie: Sind Sie zufrieden mit den Klickzahlen?
Becker: Ja, wir haben Millionen von Zuschauern, mit einer für Deutschland ganz neuen Idee. Ich war es einfach leid, mir jeden Sommer den besten Medienanwalt des Landes zu besorgen, weil irgendwelche falschen Geschichten über mich verbreitet wurden. Da berichte ich lieber selbst, was in meinem Leben los ist. Sinn und Zweck war eigentlich, die komplette Palette von „Boris 2009“ zu zeigen, den Geschäftsmann und wie ich sonst bin.
Playboy: Ist das nicht wahnsinnig anstrengend, wenn man dauernd weiß, dass man gefilmt und ausgestrahlt wird?
Becker: Ja, das strengt an, aber welche Wahl habe ich denn? So ist mein Leben, und ich kann es nicht ändern. Wird es Zeiten geben, wo ich mich etwas mehr zurückziehe und weniger öffentlich lebe? Ganz bestimmt kommt irgendwann der Tag, an dem ich sage: „Weniger ist mehr.“
Playboy: Wo sieht man Sie sonst noch im Internet, außer auf Boris-Becker.TV? Sind Sie auf Facebook?
Becker: Auch, ja. Aber das ist mehr so ein Hobby.
Playboy: Dann können wir ja Facebook-Freunde werden.
Becker: Sie können mal fragen, ob ich Sie annehme. Man hat ja die Wahl.
Playboy: Googeln Sie sich selbst?
Becker: Nein, ich weiß ja, wer ich bin. Aber ich habe das mal gemacht und war überrascht, wie häufig auf Google nach Boris Becker gesucht wird. Es wurde sogar mal festgestellt, dass ich der zweitbekannteste Deutsche nach dem Papst bin!
Playboy: Wenn man Zweiter ist, will man Erster werden . . .
Becker: Nein, das ist in Ordnung so. Ich habe großen Respekt vor dem Papst.
Playboy: Herr Becker, wie wichtig ist Ihnen eigentlich Geld?
Becker: Es ist Mittel zum Zweck, es definiert nicht meine Person. Diesen ganz ursprünglichen Antrieb, Geld zu verdienen, damit man ein Dach über dem Kopf und was zu essen hat: Den hatte ich nie, auf Grund meiner Eltern, die haben einfach gut vorgearbeitet.
Playboy: Aber gab es dennoch mal einen Moment, in dem Sie sich an all Ihrem Geld gefreut haben, so wie Dagobert Duck in seinem Geldspeicher?
Becker: Nein. So ticke ich nicht. Wenn man viel Geld hat, gibt man viel Geld aus, leistet sich Dinge, die eigentlich bescheuert sind, die man gar nicht braucht.
Playboy: Was ist das Bescheuertste, das sich Boris Becker leistet?
Becker: Ich bin zurückhaltender geworden, was das angeht. Vor zehn Jahren habe ich jede Woche was weiß ich alles gekauft. Das hat stark nachgelassen. Ich muss eher meine Frau ab und zu beruhigen, dass das zehnte Paar Schuhe oder der elfte Mantel nicht sein muss. Aber da müsste ich Frauen ja grundsätzlich kritisieren, und das tue ich ungern . . .
In diesem Moment, wie bestellt, tritt sie zur Tür herein: Lilly, die frisch angetraute Frau Becker. Ein schwarzes Lederkostüm spannt sich über den prallen Bauch, in dem ein kleines Beckerchen heranwächst.
Becker: Lilly, wir reden gerade über dich, über all die Dinge, für die man kein Geld ausgeben sollte . . .
LillyBecker: Aber natürlich kaufe ich gern ein! Jedes Kleid braucht sein eigenes Paar Schuhe.
Becker: Und dann die Handtaschen, ich verstehe das nicht. Da habe ich keine Chance.
Lilly Becker: Man braucht dieses „Oh, du schaust aber toll aus“, „Oh, ist das schick!“ Und wir machen das nicht für andere Männer, sondern für unseren eigenen Mann.
Playboy: Das ist doch nur eine Lüge, auf die sich alle Frauen irgendwann geeinigt haben, damit wir uns keine Sorgen machen.
Becker: Stimmt, ich glaube das auch.
Lilly Becker verschwindet. Zum Shoppen.
Playboy: Herr Becker, es gibt viele Dinge, die die Menschen noch gar nicht über Sie wissen. Deshalb haben wir ein kleines „Kenn den Becker“-Spiel vorbereitet. Sind Sie bereit?
Becker: Ja. (Lacht)
Playboy: Fangen wir bei den Haaren an: Gel oder Wachs?
Becker: Kein Gel. Das ist „Mud“ – also Erde, Schlamm.
Playboy: Sie tun sich Schlamm in die Haare?
Becker: Ja, aber das ist was ganz Besonderes, es ist . . .
Playboy: . . . Edelschlamm?
Becker: Ja.
Playboy: Rasieren – elektrisch oder nass?
Becker: Beides: erst trocken, dann nass.
Playboy: Frauen – selbst ansprechen oder kommen lassen?
Becker: Selber ansprechen natürlich.
Playboy: An der Bar oder auf der Tanz-fläche?
Becker: Je nachdem, wo sie steht.
Playboy: Kondome – „Durex“ oder „Fromms“?
Becker: Ich glaube „Durex“.
Sicher ist er sich nicht. Die Frage beschäftigt ihn. Später, beim Foto-Shooting, wird er sich mit Lilly dazu besprechen. „Benutzen wir Kondome?“, wird sie ihn erstaunt fragen und dabei ihren Babybauch halten.
Playboy: Nebenbuhler – auf die Fresse oder ignorieren?
Becker: Der Arme!
Playboy: Zur Vorstellung bei neuen Schwiegereltern – Anzug oder Jeans?
Becker: Einen klaren Kopf braucht man.
Playboy: Schlussmachen – per SMS oder per E-Mail?
Becker: Am liebsten persönlich, bei einem Abendessen oder – wenn das zu lange wird – bei einem Kaffee oder sonst was. Klappt nicht immer.
Playboy: Ihr Drink – Bier oder Wein?
Becker: Beides. Da bin ich flexibel.
Playboy: Zu Hause bei Mama in Leimen – kocht sie Schnitzel mit Pommes oder Spaghetti Bolo?
Becker: Weder noch. Aber grundsätzlich mehr in Richtung Fleisch.
Playboy: Autofahren – nach Navi oder nach Gefühl?
Becker: Nach Gefühl, absolut.
Playboy: Wenn die Ampel auf Dunkelgelb springt – noch mal schnell aufs Gas oder auf die Bremse?
Becker: Ich glaube, aufs Gas.
Playboy: Bei Alkoholkontrollen – alles zugeben oder lieber einen auf Becker machen?
Becker: Was soll das heißen?
Playboy: „Ich bin Boris Becker. Wollen Sie ein Autogramm?“
Becker: Das funktioniert gerade bei Alkoholkontrollen überhaupt nicht, sondern im Gegenteil: Dann muss ich so lange blasen, bis sie irgendwas gefunden haben. Also, da heißt es nur: Demut zeigen und alles nachsagen, was der Polizist von einem verlangt.
Boris Becker sein – das heißt wohl immer: anders behandelt werden als alle anderen. Und natürlich: ständige Belagerung. Um seine Ruhe zu haben, müsse man den Moment des Zögerns ausnützen, erklärt Becker, diese Sekunden des Isserdaswirklich? So sei es auch gestern gewesen, als er vor dem Brandenburger Tor herumhumpelte. Die Leute denken sich: „Ein Boris Becker wird wohl kaum einfach am Brandenburger Tor herumspazieren.“ Sobald man ihn dann doch erkannt hat – ist er schon wieder über alle Berge.
Playboy: Herr Becker, würde Ihnen eigentlich Ihr Leben ohne diese ganze Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit genauso viel Spaß machen?
Becker: Das findet in meiner Realität ja gar nicht statt. Dass mich jeder erkennt, ist für mich Alltag, deswegen realisiere ich das gar nicht. Ich suche es auch nicht, weil es ja immer da ist.
Playboy: Man hat aber auch den Eindruck, Sie vermeiden es gar nicht. Neulich haben wir Sie im Münchner „Schumann’s“ gesehen. Da kann man, wenn man möchte, einen Tisch ganz hinten mit dem Gesicht zur Wand haben. Aber Sie saßen in der Mitte der Bar mit dem Gesicht zum Raum. Öffentlicher kann sich ein Boris Becker in München eigentlich kaum hinsetzen.
Becker: Ich setze mich da hin, wo Platz ist. Mein Leben ist anstrengend genug. Wenn ich mir jedes Mal überlegen würde, wer mich erkennt, wäre der ganze Tag vorbei.
Playboy: Im Vergleich zu Ihnen selbst scheinen andere deutsche Sportgrößen wie Steffi Graf oder Michael Schumacher ein sehr braves Privatleben zu führen. Beneiden Sie die beiden manchmal darum?
Becker: Unsere Gräfin lebt in Las Vegas, die werden Sie abends im „Schumann’s“ einfach nicht sehen. Aber würde man zehn Journalisten ein halbes Jahr nach Las Vegas schicken, würde man möglicherweise auch Seiten entdecken, die man von ihr gar nicht kennt. Und wissen Sie, wo Michael Schumacher in Genf um die Häuser geht? Ich weiß es nicht. Also ich behaupte mal, bei denen geht’s genauso ab wie bei mir – nur wir wissen es nicht.
Playboy: Aber beneiden Sie die beiden manchmal um ihre weiße Weste, die die Medien ihnen gelassen haben?
Becker: Wie schwierig es ist, das zu leben! Wie anstrengend! Die können sich nie in einem Restaurant danebenbenehmen. Die können nie mal eine Frau länger anschauen oder einen Mann. Die können sich nie scheiden lassen. Die können nie irgendwas machen.
Playboy: Neulich haben Sie in einem Interview gesagt, dass Sie immer ein sehr großer Fan von Steffi Graf waren . . .
Becker: . . . absolut.
Playboy: Waren Sie eigentlich irgendwann mal in Steffi verliebt?
Becker: Jeder Tennisspieler in unserer Generation fand Steffi Graf gut: eine tolle Frau, toller Körper, sexy, immer gewonnen. Jeder in der Umkleidekabine fand Steffi scharf.
Playboy: Haben Sie’s mal bei ihr probiert?
Becker: Nein. Wir sind ja zusammen aufgewachsen, im gleichen Ort quasi. Deswegen kannte ich sie von Kindesbeinen an. Und wenn man einen so lange kennt, wird das automatisch zu einem Bruder-Schwester-Verhältnis.
Playboy: Haben Sie generell viel Erfolg bei Frauen?
Becker: Das ist alles . . . wissen Sie, ich habe einen Ring an. So richtig. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Das ist alles lange her.
Playboy: Sooo lange?
Becker: Lange. Keine Ahnung.
Im Juni dieses Jahres heiratete Becker seine Freundin Sharlely, genannt Lilly. Kurz zuvor hatte er die Verlobung mit Sandy Meyer-Wölden, der Tochter seines ehemaligen Managers Axel Meyer-Wölden, gelöst. Neben seiner ersten Frau Barbara führt das Archiv in den letzten Jahren 13 weitere Partnerinnen auf – absoluter Rekord in der inoffiziellen Statistik der Playboy-Interviewpartner.
Playboy: Aber Sie werden doch sicher immer noch von Frauen angesprochen?
Becker: Ja, ich werde von Menschen angesprochen, natürlich auch von Frauen. Frauen sind manchmal auch Menschen.
Playboy: Was war der beknackteste Spruch, mit dem eine Frau Sie anmachen wollte?
Becker: Ich glaube, das Blödeste war irgendwas mit: „Ich will ein Kind von dir.“
Playboy: Und was war der beknackteste Spruch, mit dem Sie je eine Frau angesprochen haben?
Becker: Oh, da gab es viele beknackte
Anmachsprüche, gerade wenn ein bisschen Alkohol im Spiel war. Was man da alles
von sich lässt – das muss man nicht wiederholen am nächsten Tag. Aber glauben Sie mir, viele dumme Sprüche!
Playboy: Was haben brünette Frauen, was blonde nicht haben?
Becker: Ich überlege jetzt mal ehrlich. Das ist ja alles nur von außen beobachtet, und ich behaupte mal, dass sich beide vom Charakter her nicht wirklich unterscheiden. Nur ich bin vom Hauttyp eher der hellere, meine Mutter ist blond, meine Schwester ist blond. Und man möchte immer etwas, was man nicht ist. Den dunklen Hauttyp kannte ich nicht so gut, wahrscheinlich liegt da die Ursache.
Playboy: Sich verlieben – ist das mit Anfang 40 immer noch dasselbe wie mit 15?
Becker: Es ist eigentlich immer wieder dasselbe. Verlieben ist wie Hunger – das kommt immer wieder. Das ist ja auch schön, dass man, wenn man vom Blitz getroffen ist, an nichts anderes denken kann als an diese Frau. Dass man alles in Bewegung setzt, um fünf Minuten oder zehn Minuten oder einen Abend mit ihr zu verbringen. Wir Männer sind da bescheuert, aber wir wollen es nicht anders. Ich glaube, uns geht’s gut dabei, sonst würden wir es nicht machen.
Playboy: Ist denn die Frau fürs Leben noch ein Konzept für Sie?
Becker: Sonst hätte ich ja diesen Schritt nicht gemacht, ein zweites Mal zu heiraten. Das ist für mich der Weisheit letzter Schluss. Ich habe alles probiert und für mich entschieden, dass ich mit einer Partnerin glücklicher bin und es mir besser geht.
Playboy: Bald haben Sie vier Kinder von drei Frauen. Ein anstrengendes Leben?
Becker: Das Leben ist kein Wunschkonzert, und das ist auch das Spannende: dass man sich verändert. Man hofft natürlich, dass der Partner sich mit einem verändert. Aber wenn das nicht klappt und man sich trennt, wird man heute nicht ins Gefängnis gesteckt und nicht gehäutet und gesteinigt.
Playboy: Neulich haben Sie klargestellt, dass Ihre Tochter Anna nicht in der Besenkammer, sondern auf der Treppe zwischen den Toiletten gezeugt wurde . . .
Becker: Das war ein Fehler von mir, das in einem Interview zu sagen. Hätte ich gewusst, dass diese zwei Sätze für so viel Furore sorgen, hätte ich es nie im Leben gesagt. Meine Tochter ist fast zehn, und man sollte dieses Thema mal ruhen lassen. Ich verlange Respekt von den Medien und von allen Menschen ihr gegenüber, da muss ich mich auch selbst dran halten.
Playboy: Was sind Sie für ein Vater?
Becker: Was bin ich für ein Vater? Am liebsten würde ich sagen: Fragen Sie meine Kinder. Aber das lasse ich ja nicht zu. Also, ich versuche mein Bestes: Ich habe bei meinen Kindern das Gefühl, dass sie mir alles sagen können und es auch tun. Dass sie keine Angst vor mir haben und immer willkommen sind.
Playboy: Auf Fotos sieht es so aus, als ob Ihr ältester Sohn Sie mittlerweile überragt.
Becker: Ich glaube, noch bin ich einen Zentimeter größer! Je nachdem, wie seine Haare liegen – und meine. Sie wissen, mit dem Schlamm und so. Aber ich hoffe es sehr, dass er bald größer ist als ich, weil das gut für seine Basketball-Karriere wäre.
Playboy: Was ist das für ein Gefühl, wenn man Sport macht oder rauft und auf einmal merkt, dass der eigene Sohn stärker ist als man selbst?
Becker: Das ist noch nicht vorgekommen. Aber ich warte auf die Woche, wo es passieren wird. Das ist ein unangenehmes Gefühl, aber da ist auch eine Portion Stolz, dass man so einen großen Hecht mitgezeugt hat.
Playboy: Im Februar erwarten Sie das erste gemeinsame Kind mit Ihrer Frau Lilly – wissen Sie schon, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird?
Becker: Das wissen wir noch nicht offiziell, sagen wir es so.
Playboy: Was heißt das?
Becker: Ich weiß es, sie weiß es nicht.
Playboy: Wie geht das?
Becker:
Sie wollte nichts wissen, sie wollte überrascht werden. Und ich nicht. Ich mag keine Überraschungen.