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	<title>Christian Thiele</title>
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	<description>Journalist</description>
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		<title>Nichts als die Wahrheit</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 19:41:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thiele</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Warum wir Journalisten Ost-Pomo lernen sollten (Impresso 3/2011)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Warum wir Journalisten Ost-Pomo lernen sollten (<a href="http://www.christian-thiele.com/wp-content/uploads/impresso-3_2011-authentizitaet.pdf" target="_blank">Impresso</a> 3/2011)</p>
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		<title>Geschützt: Neun Thesen über die Magazingeschichte  – Seminar Callwey-Verlag</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 18:52:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thiele</dc:creator>
				<category><![CDATA[Seminare]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt keine Kurzfassung, da dies ein geschützter Artikel ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<form action="http://www.christian-thiele.com/wp-pass.php" method="post">
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		<title>Bullerbü in Braun</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 18:40:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thiele</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie die Extreme Rechte in Mecklenburg-Vorpommern in die Kitas einmarschiert – und so die nächste Generation heranzüchtet. (Die Zeit, 19.11.2011)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Mecklenburg-Vorpommern sind in Kindergärten und Schulen Rechtsextreme auf dem Vormarsch. Viele Eltern sind hilflos<br />
Von Christian Thiele</p>
<div class="downloads"><a href="http://www.christian-thiele.com/wp-content/uploads/bullerbue-in-braun" target="_blank"><img src="/wp-content/themes/thiele_1/images/pdf_small.jpg" alt="download" /> Artikel als PDF</a></div>
<p>Nachts in ihrem Bett, wenn sie die Augen schließt, sieht Janine Kumpf Hakenkreuze. Die Nächte im Süden Mecklenburg-Vorpommerns sind schlimm, doch die Tage sind schlimmer. Wenn Janine Kumpfs Tochter am Frühstückstisch quengelt, sie würde so gerne auf diese Wintersonnwendfeier gehen; wenn sie dann in ihre Kindertagesstätte fährt, und da bringt wieder eine dieser Mütter ihren Bodomar oder ihre Gunhilde in den Morgenkreis; wenn sie mitbekommt, dass diese Mutter im Weggehen andere Eltern einlädt zu einem Vortrag über artgerechte Ernährung – dann hat Janine Kumpf schon »die Schnauze voll von dieser braunen Soße. Das ist so was von bedrohend, ich weiß nicht, wo das hinführen soll.«</p>
<p>Janine Kumpf heißt nicht Janine Kumpf. Ihr Name und wo sie arbeitet – das darf hier nicht stehen. Ihr Mann hätte ihr am liebsten verboten, mit der Zeitung zu reden. »Am Ende zünden die uns noch das Haus an«, hat er gesagt. Aber die Frau, die hier Janine Kumpf heißen soll, findet: »Wenn aus Angst alle den Mund halten, dann haben die doch auf ganzer Linie gesiegt.«</p>
<p>»Die« – das sind die Rechtsextremen. Die aus Mecklenburg-Vorpommern eine Art Toskana für Neonazis gemacht haben: NPD-Kader in der Nähe von Ludwigslust. Völkische Siedler in den Dörfern um Güstrow. Schlägertrupps aus der Kameradschaftsszene in Vorpommern. Und sie alle ziehen in Krippen, Schulen und Jugendklubs ihren Nachwuchs heran, die nächste Generation.</p>
<p>Wenn Janine Kumpf von »uns« spricht, dann meint sie die wenigen Erzieherinnen und Mütter, die sich dagegen wehren. Janine Kumpf – große Brille, große Klappe, großes Herz – arbeitet in einer Kindertagesstätte in Mecklenburg-Vorpommern. In einer Gegend mit einem Dutzend Seen, bescheidenen Backsteinkirchen, verträumten Gehöften, üppigen Wiesen. Keine schlechte Gegend, um Kinder großzuziehen, ein deutsches Bullerbü.</p>
<p>Janine Kumpf erzählt von einem Jungen aus ihrer Kita, nennen wir ihn Thore. Ein paar Jahre ist es her, als Thores Eltern ihn das erste Mal brachten: »Ein Sonnenscheinkind, immer lieb«, sagt Janine Kumpf. Doch etwas war komisch an Thore und seinen Eltern. Er durfte nicht mit den anderen Kindern essen, brachte seine eigenen Körner mit und später auch die eigene Steinmühle. Und diese Kleidung aus grobem Leinen, die kurzen Hosen – auch an kalten Herbsttagen.</p>
<p>Dann kam Thores Geburtstag. Geburtstagskinder dürfen sich bei Frau Kumpf ein Lied wünschen, das dann alle singen. Thore wünschte sich Der Mond ist aufgegangen. »Aber der sang das in so ’ner völkischen Version, wo es nur um Kampf und Blut und Krieg ging. Da gingen mir die Ohren auf«, sagt Janine Kumpf.</p>
<p>Sie drohte Thores Vater mit dem Jugendamt. Keine zwei Wochen später war Thore von der Kita abgemeldet, seitdem hat sie ihn nie mehr gesehen. Sie ist froh, ihn los zu sein, und gleichzeitig erschüttert. Welche Erzieherin gibt schon gerne ein Kind an eine Nazi-Sekte verloren?</p>
<p>Kinder, die von Kampf und Blut singen? Die von ihren Eltern das Essen verboten bekommen und im Winter kurze Hosen tragen, als würden die nordischen Namen sie abhärten gegen Hunger und Kälte? Die vom »T-Hemd« reden statt vom »T-Shirt«, von »Gemüsetorte« statt von »Pizza«? Die, wenn sie gefragt werden, was sie einmal werden wollen, sagen: »Ich werde, was auch immer mein Vaterland von mir verlangt«?</p>
<p>Janine Kumpf hat sich schlau gemacht über die Eltern solcher Kinder, die Anfang der neunziger Jahre in die Mecklenburgische Schweiz kamen. Sogenannte Artamanen, die sich als »Hüter deutscher Scholle« sehen, als eine Art arischer Landadel, wie es ihn schon einmal in den dreißiger Jahren hier gab. Heinrich Himmler und Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß gehörten zu ihnen. Sie tragen altmodische Kleidung, die Männer Zimmermannshosen und Fischerhemden, die Frauen Leinenkleider. Familien mit vier, fünf Kindern. Ein Leben im, wie sie sagen würden, »völkisch-nationalen Widerstand«.</p>
<p>Es ist ein Kampf. Ein Kampf zwischen Frauen wie Frau Kumpf und Eltern wie denen von Thore. Ein Kampf um die Krippen, um die Schulen, um die Jugendklubs, um die Ausbildungsbetriebe. Um die Feuerwehren, das Technische Hilfswerk, die Fußballvereine und Musikfestivals. Ein Kampf zwischen einer demokratischen, aber oft verängstigten Mehrheit und einer völkischen bis offen neonationalsozialistischen, gläubigen Minderheit. Ein Kampf, der nirgends so erbittert geführt wird wie in Mecklenburg-Vorpommern.</p>
<p>Die Braunen machen sich breit. Und sie verhehlen ihre Absicht nicht: »Wir dürfen nicht weiterhin die Bereiche Bildung und Erziehung den Etablierten überlassen. Unser Ziel muss es sein, einer charakterfesten, gesunden und allgemeingebildeten deutschen Jugend Raum zur Entfaltung ihrer Potenziale zum Wohle des gesamten Volkes zu geben«, heißt es in einem Artikel der NPD-Zeitung Deutsche Stimme . »Eine Rückbesinnung auf bewährte Inhalte und Strukturen« wird dort verlangt.</p>
<p>Aber was sollen Eltern tun, wenn der eigene Bub sich mit einem Sohn dieser Nazis anfreundet? Ist es hysterisch, wenn man der Tochter die Sonnwendfeier verbietet, auf die doch alle anderen in der Klasse gehen? Ist die Mutter gleich eine Nazibraut, weil sie ihr blondes Zöpfchenmädchen nicht impfen lässt und das mit Gefasel von Abhärtung und Stärkung der Volksgesundheit begründet? Und selbst wenn man weiß, dass die Eltern von Arwind und Freya für die NPD auf der Gemeinderatsliste stehen: Wie geht man damit um? Lässt man sie beim Wandertag die Kinder begleiten?</p>
<p>Es geht ja nicht nur um den Umgang mit den Artamanen, die man als besorgte Eltern wenigstens noch am Äußeren erkennen kann. Es geht um die Neonazis von nebenan, die sich an Kinder heranmachen – und so die gesellschaftliche Mitte umarmen. Einschlägig engagierte Eltern bieten völkische Näh-, Koch- und Tanzkurse an. NPD-Funktionäre lassen sich in die Elternbeiräte wählen. Ihre Frauen laden zum Kinderyoga ein, bringen Interessierten »alte Haushaltspraktiken« bei. Oder sie versuchen, wie NPD-Mitglied Mattias Schubert in Bartow im Kreis Demmin, gleich die Leitung einer Krippe zu übernehmen.</p>
<p>An der Regionalschule von Ueckermünde haben sie einen Jungen zum Schülersprecher gewählt, der Schüler als »der deutschen Rasse unwürdig« befindet und auf dem Stadtfest »Heil Hitler« ruft. Schüler, Lehrer und Eltern loben ihn als vorbildlichen Ordnungshüter.</p>
<p>Die Gemeinde Bargischow in Vorpommern hat den Jungs mit den Springerstiefeln gleich den Schlüssel für den blauen Flachbau in die Hand gegeben, das ist der Jugendklub. »Dann stehen sie nicht auf der Straße herum«, sagt der ehemalige Bürgermeister André Stegemann, im Hauptberuf Polizist.</p>
<p>Es gibt, schreibt der Verfassungsschutz, im dünnstbesiedelten Mecklenburg-Vorpommern gut zwei Dutzend rechtsextremistische Szeneläden und rechtsextreme Internethändler, mindestens einmal im Monat findet irgendwo ein Rechtsrock-Konzert statt.</p>
<p>Braun tragen, braun hören – und dann auch braun denken: Eine Umfrage am Goethe-Gymnasium Ludwigslust hat ergeben, dass 87 Prozent der Mädchen und 78 Prozent der Jungen keinen Juden oder keine Jüdin als Freund oder Freundin haben wollen. Bei der Landtagswahl im September haben 13 Prozent der Wähler unter 29 für die NPD gestimmt – so viele wie auch für die Grünen.</p>
<p>Warum ausgerechnet Mecklenburg-Vorpommern? Warum hat es hier die NPD bei der Landtagswahl 2006 aus dem Stand auf 59000 Stimmen (7,3 Prozent) geschafft? Und warum hat sie im September die meisten ihrer Mandate in Landtag (6,0 Prozent), Kommunalparlamenten und Kreisräten verteidigt? Wieso hat es die Polizei hier täglich mit einer rechtsextremistischen Straftat zu tun? Warum klebt hier zum Jahrestag des Kriegsendes an vielen Laternenpfählen ein Aufkleber »8.Mai 45 – Tag der Schande«? Warum all die Ferienlager, Kinderfeste, Sonnwendfeiern? Warum das alles in Mecklenburg-Vorpommern?</p>
<p>Wegen der letzten 700 Jahre. Wegen der letzten 70 Jahre. Und wegen der letzten 20 Jahre.</p>
<p>Freie Bauern gibt es in Ostelbien seit dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr. Der Boden ist von jeher in der Hand von Großgrundbesitzern, die Landbewohner waren jahrhundertelang Leibeigene. Karl-Georg Ohse, Einheimischer, Vater und bis vor Kurzem Chef des Regionalzentrums für demokratische Kultur in Ludwigslust, sagt: »Es gibt hier immer noch eine hohe Affinität zu autoritären Strukturen. Ketten von Befehl und Gehorsam haben sich hier über Jahrhunderte gehalten.« Die DDR-Zeit verhieß Aufbruch. Man siedelte Industrieunternehmen und Armeestützpunkte an, Mecklenburg-Vorpommern hatte 1989 die jüngste Bevölkerung aller Bundesländer. Heute ist es die älteste. Die Demokratie hat den Menschen babypoglatten Straßenasphalt gebracht, McDonald’s und Nutella. Und dennoch fehlt etwas.</p>
<p>Ein Land, das sich über jeden selbst gebackenen Kuchen, über jeden von Eltern gestrichenen Kitazaun freuen muss – selbst wenn die manchmal merkwürdige Ansichten haben. Einen solch fruchtbaren Boden für ihre braune Saat müssten die NPD und ihre Kader eigentlich erfinden – wenn es ihn nicht schon gäbe. So freut sich der NPD-Kreisverband Westmecklenburg auf seiner Internetseite über das »wachsende nationale Wurzelgeflecht«. Der Landeschef sagt: »Es wohnen sehr viele Nationale in Mecklenburg und in Pommern. Wir arbeiten daran, dass es mehr werden.«</p>
<p>Und die Nichtbraunen, was tun sie dagegen? Und was nützt das, was sie tun?</p>
<p>Sozialministerin Manuela Schwesig wollte vergangenes Jahr, nachdem die gescheiterte NPD-Übernahme jener Kita in Bartow bekannt wurde, zeigen: Die Politik handelt. Daraus wurde ein Erlass, wonach alle Betreiber von Kindertagesstätten unterschreiben müssen, dass sie für das Grundgesetz einstehen.</p>
<p>Die Braunen per Ministerialerlass stoppen? Da muss selbst Stefan Köster lächeln. Köster, 38, groß, blond, schlank, höflich und redegewandt, ist ein Mann, den man gerne in der eigenen Volleyballmannschaft hätte oder im Elternbeirat. Wenn er nicht Bundesgeschäftsführer, Landesvorsitzender und Landtagsabgeordneter der NPD wäre. (Und wenn er nicht 2004 mit drei NPD-Kameraden auf eine am Boden liegende Frau eingetreten hätte und dafür wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden wäre.) Köster also sitzt manierlich auf dem grünen Sofa der NPD-Geschäftsstelle in Lübtheen und sagt: »Der Erlass ist ein absoluter Rohrkrepierer. Da handelt es sich um eine politisch gewollte Ausgrenzungsstrategie, die mich sehr stark an das erinnert, was heutzutage über die dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts berichtet wird.« Hinter ihm hängt ein Parteiplakat in den Farben der Reichskriegsflagge: »Vaterland, Muttersprache, Kinderglück!«. Es gebe gravierende Probleme im Land: Kindern, die nicht mal vernünftig Deutsch könnten, werde mit aller Gewalt Polnisch oder Englisch beigebracht. Kitapersonal werde viel zu schlecht bezahlt. Und dennoch, so Köster, »unterhält der Staat eine ganze Batterie von Sozialpädagogen und anderen armseligen Gestalten, die nichts anderes tun, als gegen uns zu hetzen? Das ist gefährlich!«</p>
<p>Die Chefin einer Kita, in der einige Promis der rechtsextremen Szene ihre Kinder angemeldet haben, sagt: »Der Erlass setzt ein Zeichen, aber auch nicht viel mehr. Wenn es hart auf hart kommt, dann nützt der Erlass nichts.« Ähnliche Erlasse gibt es für die Feuerwehren, die Sportklubs, die Verwaltung. Aber es gibt noch mehr, womit man sich in Mecklenburg-Vorpommern gegen die Rechten zur Wehr setzt, fünf Regionalzentren für demokratische Kultur zum Beispiel. Sie legen Flyer für Lehrer und Kitaleiter aus, und wer sie anruft, wird geschult im Kampf gegen Rechts. Wie eine Lebensrune aussieht, wie man per Hausordnung Springerstiefel verbieten kann, solche Dinge. Es gibt ein »Demokratie und Toleranz«-Programm des Landesverbandes der Schullandheime. Es gibt einen Bus der Landeszentrale für politische Bildung, der über die Dörfer fährt und dort die Demokratie erklärt. Es gibt, organisiert vom Demokratieladen in Anklam, Jungbürgerversammlungen, bei denen Jugendliche Fragen an den Bürgermeister stellen dürfen. Es gibt in Wolgast zwei Brüder, die eine – wenn man so will: antibraune – Football-Mannschaft und ein Fitnessstudio gegründet haben. Muckis gegen Nazis. Es gibt Konzerte gegen Rechts, wie jenes kurz vor der Landtagswahl in Schwerin. Das aber hat so viel gekostet wie zwei Jugendklubs ein ganzes Jahr lang.</p>
<p>Jochen Schmidt, Chef der Landeszentrale für politische Bildung, verteidigt solche Sachen. Seine Tochter war auch bei dem Konzert. Aber Schmidt weiß auch, Zivilcourage in der Stadt zu zeigen, auf einer Demo, das ist das eine. Aber sich auf dem Dorf gegen den Nachbarn zu exponieren, nur weil der einen HJ-Scheitel trägt und abends schräges Liedgut singt, das ist etwas anderes. Vor allem, wenn seine Freunde groß, blond, stark sind und Springerstiefel tragen. Und wo die Frau doch so leckeren Kuchen für die Grundschule bäckt.</p>
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		<title>Bauern hinter Mauern</title>
		<link>http://www.christian-thiele.com/2011/10/bauern-hinter-mauern/</link>
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		<pubDate>Sat, 22 Oct 2011 20:07:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thiele</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie Preeti Patil mit ihrem Dachgarten im Hafen von Mumbai die Welt retten will. Wenigstens ein bisschen. (Die Zeit, 21.10.2011)
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Inmitten von Städten entstehen Gemüsegärten und Obstplantagen. Können urbane Farmen gar die Menschheit ernähren?</p>
<p>von Christian Thiele</p>
<div class="downloads"><a href="http://www.christian-thiele.com/wp-content/uploads/Bauern-hinter-Mauern.pdf" target="_blank"><img src="/wp-content/themes/thiele_1/images/pdf_small.jpg" alt="download" /> Artikel als PDF</a></div>
<p>Wer die Kohlköpfe, Mangos und Guaven von Preeti Patil sehen will, muss seinen Pass an einer Sicherheitsschranke vorzeigen, seine Tasche auf Bomben durchsuchen lassen und Maschinengewehrläufe der indischen Militärpolizei passieren. Nur wenige Obst- und Gemüsepflanzen werden so gut bewacht wie Frau Patils Kohlköpfe, Mangos und Guaven, ihr Mangobaum, ihre Basilikumbüschel und der kleine Bananenbaum in dem rostigen Ölfass.</p>
<p>Es handelt sich dabei weder um hochgefährliches Al-Qaida-Gemüse noch um genmanipuliertes Superobst. Es ist nur so, dass die Behörden neue Attacken verhindern wollen, seit 2008 Terroristen vom Hafen her in die größte Stadt Indiens eindrangen und sie in Angst und Schrecken versetzten. Deshalb ist Mumbais Hafen hinter Sicherheitsschranken verschanzt; deshalb hat Preeti Patil, »Catering Officer« in der Hafenbehörde, einen Hochsicherheitszugang zu ihrem Gemüsebeet. Es liegt mitten in diesem Hafen.</p>
<p>&#8212;<br />
BERÜHMTE STADTGÄRTEN: BEI DEN AZTEKEN<br />
Chinampas heißen die schwimmenden Beete der Azteken: Von etwa 1.150 an bauten und bepflanzten sie riesige Schilfflöße. Das Ackerland war knapp, der Transport war schwierig, also boten die Flöße Anbaufläche in stadtnahen Seen, Flüssen, Kanälen. Man zog Amaranth, Avocados, Bohnen, Chili, Mais, Süßkartoffeln und Tomaten. Die Aztekenhauptstadt Tenochtitlán, schätzen Forscher, baute so zwei Drittel ihres Nahrungsmittelbedarfes an.<br />
VICTORY GARDENS<br />
Hinterhöfe an die Front: Das war die Devise hinter den US-amerikanischen Victory Gardens im Zweiten Weltkrieg. Die Verpflegung der Truppen im Kampf gegen Nazideutschland sollte billiger werden. Gouverneure verordneten den Anbau von Karotten, Kartoffeln und Spinat, und sogar die First Lady Eleanor Roosevelt legte hinter dem Weißen Haus ein Gemüsebeet an. Am Ende des Krieges ernährte sich die US-Bevölkerung zu 40 Prozent aus den eigenen Garten-, Terrassen-, Balkonbeeten.<br />
KUBA<br />
Als 1990 die Sowjetunion dahinwelkte, brachte das auch die kubanische Landwirtschaft ins Schlingern: keine billigen russischen Nahrungsimporte mehr, kein Abnehmer mehr für Zuckerrohr. Also fördert die Regierung Huertos Urbanos: In Havanna und anderen Städten werden Bananen, Sonnenblumen und Tomaten angebaut, auf Dachgärten, in Gemeinschaftsbeeten, auf den Arealen staatlicher Unternehmen. Wer eigenes Gemüse zieht, muss zehn Prozent des Ertrages an Krankenhäuser, Schulen oder Altersheime abliefern.<br />
DETROIT<br />
Radieschen gegen die Rezession: In Detroit und vielen anderen US-amerikanischen Großstädten blüht nach der Wirtschaftskrise 2009 die innerstädtische Landwirtschaft auf. In der »Motor City« gibt es heute rund 1.000 Gemüse-, Kräuter- und Obstgärten, auf Dachterrassen, Industriebrachen, öffentlichen Plätzen; viele davon sind als Sozialprojekte organisiert.<br />
Seit Tagen schüttet es besonders heftig auf Mumbai herab. Der Regenmantel, den sich Patil hinter ihrem Schreibtisch an die Wand gehängt hat, wird gar nicht mehr trocken. Die Küche neben dem Büro wird gerade gewischt, in einer Stunde kommt die Spätschicht. So lange kann Preeti Patil noch einmal auf die Dachterrasse blicken: die Sprossen inspizieren, nach dem Kompost schauen, der vergammelnden Maispflanze ein paar tröstende Worte zusprechen – »der Regen war einfach zu viel für dich«. Was man eben so macht als urbane Gärtnerin. Der Regen hängt in diagonalen Streifen in der Luft. Dahinter sind schemenhaft rostrote Kranarme zu erkennen, ein Containerschiff trötet seine Ankunft in die Wolken.<br />
&#8212;</p>
<p>In Preetils Kantine werden jeden Tag 1.500 Mahlzeiten für die Hafenarbeiter gekocht, für die Früh-, die Tag- und die Spätschicht. Das macht eine Menge Abfall. »Ich konnte das irgendwann nicht mehr ansehen, wie diese ganzen Wertstoffe einfach weggeschmissen werden. Deshalb kompostieren wir die Sachen jetzt und machen neues Leben draus«, sagt Preeti Patil. Auf den Nahrungsresten wachsen nun Früchte, Kräuter, Gemüse, angebaut im Hafen der drittgrößten Stadt der Welt.</p>
<p>Preeti Patil mag es hauptsächlich um ihre hungrigen Hafenarbeiter und deren Abfälle gehen. Doch eigentlich geht es um mehr. Eine ganze Riege von Zukunftsforschern und Landwirtschaftsexperten aus aller Welt, bis hin zur Welternährungsorganisation FAO in Rom oder zum Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) in New York, glaubt in diesen Tagen: Mitten in der Stadt Gemüse anbauen – das ist der Schlüssel zur Welternährung.</p>
<p>Mit der Welternährung ist es so eine Sache. Demografen haben ausgerechnet, wie viele Menschen 2050 auf der Erde leben werden: voraussichtlich mehr als neun Milliarden, drei Milliarden mehr als heute. Würde man die Landwirtschaft auch dann noch so betreiben, wie das heute üblich ist, brauchte man nach anderen Schätzungen Extrafelder von der Gesamtgröße Brasiliens, um alle Erdenbürger zu ernähren. Mögliche Trockenheiten und Überschwemmungen durch den Klimawandel können die Nahrungsknappheit noch verschlimmern.</p>
<p>Neue Agrarmethoden! Künstliche Bewässerung! Gentechnik! Verzicht auf Fleisch! Das sind gängige Empfehlungen gegen dieses Problem. Es ist aber außerdem so, dass im Jahr 2050 stolze 80 Prozent dieser angeschwollenen Weltbevölkerung in Städten leben sollen. Vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern, ob im Hinterland Chinas oder an den Küsten Afrikas, erwartet man Riesenstädte, wie es sie noch nie gab. Zu der Frage, wie man Nahrungsmittel für all die Menschen produzieren soll, kommt also noch eine hinzu: Wie verteilt man Lebensmittel in diesen Städten, und zwar so, dass auch ärmere Bevölkerungsgruppen etwas davon abkriegen? Wie stellt man sicher, dass bei ihnen frische Lebensmittel voller Vitamine ankommen, bevor sie faulen oder welken?</p>
<p>Von »food-deserts, in denen kaum frische Produkte verfügbar sind«, spricht Achim Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg. Und überhaupt: Laut den Statistiken der FAO sind Nahrungsmittel heute fast doppelt so teuer wie vor fünf Jahren. Die Armen sind davon besonders betroffen, denn sie geben bis zu 70, 80 Prozent ihres Haushaltseinkommens für Ernährung aus – der Durchschnittsdeutsche nur 11 Prozent.</p>
<p>Eine ganz andere Sache wäre es, wenn eine maßgebliche Menge an frischem Obst und Gemüse gleich am Verbrauchsort hergestellt würde – eben in den Städten, so wie bei Preeti Patil in Mumbai.</p>
<p>Und tatsächlich hat Urban Farming, der Landbau mitten in der Stadt, in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt: 800 Millionen Städter, hieß es kürzlich in einer Studie, betrieben bereits Mikrofarmen auf Dächern, Balkonen, Verkehrsinseln, Brachflächen und sogar innerhalb ihrer vier Wände. Zumeist werde die eigene Familie mit den Erzeugnissen versorgt, aber immer mehr Produkte gingen auch in die Vermarktung. Die FAO arbeitet bereits an Handreichungen und einem Richtlinienkatalog für Stadtbauern in spe.</p>
<p>Doch das Merkwürdige an der Geschichte ist: Am eifrigsten scheinen sich Leute dafür zu begeistern, bei denen überhaupt keine Nahrungsnot herrscht. Die Londoner Börse etwa hat gerade 100.000 Bienen und für ihre Mitarbeiter Imkeranzüge gekauft: Sie sollen auf dem Dach über dem Handelsparkett Honig erzeugen und nach dem Willen des Börsenchefs und Hobbyimkers Xavier Roulet dem europaweiten Bienensterben etwas entgegensetzen. In New York gibt es teure Restaurants, die damit werben, dass ihre Salate oben auf dem Dach des Gebäudes angebaut werden. In Portland im US-Bundesstaat Oregon wird gerade der Flächennutzungsplan geändert, damit urbane Farmer in der Stadt Pflanzen anbauen und verkaufen können. Auf Schulhöfen und in Krankenhausgärten im Gaza-Streifen werden Minze, grüner Pfeffer und Olivenbäume angebaut, im postrevolutionären Kairo hat man ebenfalls das Dachgarteln entdeckt. Im Herzen der Motor City Detroit, geplagt von der Auto- und der Immobilienkrise, planen ein ehemaliger Börsenmakler und ein Ex-Militärpolizist die größte urbane Farm der Welt: 30 Millionen Dollar, 800 Hektar – so groß wie der Tegernsee.</p>
<p>In der südkoreanischen Stadt Suwon bauen Forscher in einem Modellprojekt auf drei Etagen eines Hochhauses Salat an – unter künstlichem LED-Licht und mit Regenwasser. In Kalifornien werden ehemalige Marine- und Heeressoldaten zu urbanen Farmern umgeschult, um sie wieder in die Arbeitsgesellschaft zu integrieren. In Dessau, wo sich die Bevölkerungszahl bis 2019 im Vergleich zu 1989 halbiert haben dürfte, hat man die frei werdenden Stadtflächen in 400-Quadratmeter-Claims aufgeteilt – und Apothekergärten und Imkerfelder angelegt. In der Hauptstadt Berlin laufen Dutzende Pilotprojekte.</p>
<p>»Zum ersten Mal kann eine komplette Stadt zum Ökosystem werden«</p>
<p>Das Urban Farming ist zu einer globalen Bewegung geworden, in der hippe Stadtfarmer über das Internet Pflanztipps und Düngerrezepte austauschen. Im Internetradio Basilikum Magazin erfahren sie, wie man in Oakland am besten eine Erlaubnis zur Vorgartennutzung bekommt. Auf der Website rootsimple.com streiten sie darüber, ob man in verrottenden Plastiktüten Tomaten ziehen darf. Auf urbanfarming.org erfährt man, ob Zwiebeln und Knoblauch nicht auch im Mai statt im Herbst gepflanzt werden können. In den reicheren Ländern, sagt der Experte Werner, »geht es gar nicht darum, die Produktionsmengen durch urbane Landwirtschaft zu erhöhen oder die Versorgung zu sichern. Da stecken andere Motive dahinter, zum Beispiel ein sozialer Aspekt: Manche Menschen möchten Lebensmittel nicht mehr anonym konsumieren, sondern selber produzieren.«</p>
<p>»Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit«, schreibt der Mikrobiologe Dickson Despommier von der Columbia School in New York, »kann eine komplette Stadt zum Äquivalent eines natürlichen Ökosystems werden.« Despommier ist zu einer Art Guru der weltweiten Urban-Farming-Bewegung aufgestiegen, und er belohnt seine Fans mit markigen Sprüchen und optimistischen Vorhersagen. Stadtfarmen, das bedeute weniger Treibstoffverbrauch, weniger CO₂-Ausstoß, weniger Transportkosten, weniger Lärm, weniger Staus. Und wenn, führt Despommier weiter aus, die Städte auch noch ihre Abwässer und Abfälle konsequent in die Farmen einspeisten und sie dort wieder in neues Gemüse verwandelten, verringere das zudem die Müllmenge, den Energiebedarf und die Wasserkosten. Zusammen mit Architekten und Designern hat er seit Beginn des Jahrtausends eine Menge futuristischer Modellbauten entwickelt, die die Bewegung inspirieren: neuartige Hochhäuser, »Foodscrapers«, als bewohnbare Gewächshäuser, in denen und an denen überall Nutzpflanzen wachsen. Grüne Lungen, Müllschlucker und Nahrungsspender zugleich.</p>
<p>Der eigentliche Nutzen soll aber nicht in den reichen Städten des Nordens entstehen, sondern in den schwellenden Städten des Südens. Und manchmal sieht es so aus, als könnte die Sache klappen: Unterstützt von der Welternährungsorganisation FAO und Mikrokreditgebern, haben die Stadtbauern von Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo beispielsweise ihre Obst- und Gemüseerträge in den letzten fünf Jahren fast verdreifacht.</p>
<p>Doch meist geht es nur langsam voran. Kaum jemand weiß das besser als Preeti Patil, verantwortlich für die Hafenkantine in Mumbai. Sie ist es gewohnt, dass Entwicklungen in kleinen Schritten vonstattengehen. Sie ist froh, dass die Küchenabfälle in ihrem Kantinenbetrieb nicht mehr als Müll weggefahren werden wie früher, sondern dass sie daraus Kompost machen kann, dann Pflanzen, dann Obst, Gemüse und Heilkräuter. »Wir sind eine Modellfarm, wir müssen noch viel Überzeugungsarbeit leisten«, sagt sie. Dass in einem alten Ölfass eine Bananenstaude Platz hat und dafür kein 500-Quadratmeter-Garten nötig ist, ist ein Trick, den sie kürzlich gelernt hat. Dass man wegen ein paar Dachtomaten noch lange keine Angst vor Ratten und Ungeziefer haben muss, das muss sie Stadtverwaltung und Hausbesitzern immer wieder aufs Neue erklären.</p>
<p>Überzeugen muss sie auch in der eigenen Familie: Wenn sie abends nach Hause kommt in den dritten Stock ihrer Mietskaserne, im Korb ein paar selbst gezogene Bohnen und ein Kürbis, ringt sich Sunil, ihr Mann, ein höfliches »gut gemacht« ab. Tochter und Sohn rollen mit den Augen. »Teenager eben«, seufzt Preeti, »die wollen lieber zu McDonald’s, als biologisch angebautes Gemüse aus meinem Dachgarten zu essen.«</p>
<p>Mumbai ist ein Ort, an dem die Landwirtschaft der Zukunft zwangsläufig entstehen muss – wenn man den Vordenkern des Urban Farming glaubt. Mumbai ist eine der größten und eine der am dichtesten besiedelten Städte der Welt. Im Großraum Mumbai wohnen rund 22 Millionen Menschen, so viele wie in Nordrhein-Westfalen und Hessen zusammen – auf etwas mehr als der Fläche des Landkreises Uckermark. Wie in den Metropolen anderer Schwellenländer auch wächst die Bevölkerungszahl rasant – um durchschnittlich 500.000 Einwohner pro Jahr. Es sind vor allem Städte wie Mumbai, die Megacitys in den Schwellenländern, die dafür verantwortlich sind, dass die Weltbevölkerung schon heute mehrheitlich in den Städten wohnt und nicht mehr auf dem Land.</p>
<p>Mit der wachsenden Verstädterung wird auch die Zahl der urbanen Armen immer größer. Und die Armen, die kein eigenes Land und kein stabiles Einkommen haben, sind die Ersten, die hungern. Was das wiederum politisch bedeutet, haben die Demonstrationen 2008 in Mexiko und Indonesien und schließlich Anfang dieses Jahres in Tunesien, Ägypten und Jordanien gezeigt. Der Anlass war stets der gleiche: explodierende Preise für Lebensmittel.</p>
<p>Jeder Kilometer, den eine Aubergine vom Erzeuger bis in den Magen ihres Verbrauchers zurückzulegen hat, macht sie teurer und verschlechtert ihre CO₂-Bilanz, sagen die Verfechter des Urban Farming; jede Food Mile mache es auch unwahrscheinlicher, dass die Nahrung noch frisch sei oder überhaupt bei ärmeren Leuten ankomme.</p>
<p>Der Regen peitscht, tost, wütet immer noch über Mumbai. Die Taxis rollen im Tempo der Fußgänger, die Fahrer haben Angst um den Motor. Es geht vorbei an Dharavi, einem der größten Slums der Welt. Hier leben rund eine Million Menschen, eingeklemmt zwischen zwei S-Bahn-Linien, hier wurde Slumdog Millionaire gedreht. Ein kleiner Junge will blaue, grüne und rote Plastikverschlüsse auseinandersortieren, aber der Regen reißt ihm seine Recyclingschätze schier aus der Hand. Männer wuchten ausgeschlachtete Kühlschränke aufeinander. Ein paar Meter weiter werden krumme, halb zerborstene, verklebte und vernagelte Bretter sortiert – das müsste man wohl eine Holzhandlung nennen.</p>
<p>Ein paar Schritte weiter nördlich liegt der Mahim Nature Park. Früher, als die Stadt noch Bombay hieß, hat sie hier ihren Müll abgeladen. Jetzt sei der Park – er ist halb so groß wie der Berliner Zoo – die »grüne Lunge Mumbais«, sagt Ravi Verkat. Er hat sein Hemd weit offen, die Hose über den Sandalen hochgekrempelt, Schuhe sind bei diesem Wetter nutzlos; sie laufen voll Wasser und Schlamm. Verkat stapft herum, springt über eine Pfütze, watet durch einen See – auf der Suche nach Bienen. Heute ist Bienenschulung. Zwei Frauen von Under the Mango Tree, einer Organisation aus Mumbai, wollen angehenden Farmern wie ihm das Imkerhandwerk beibringen. »Aber ich habe noch keine Biene gesehen, die machen heute wohl Haushaltsarbeiten oder begatten die Königin. Schlaue Insekten eben«, sagt Ravi Verkat und hüpft über die nächste Wasserlache.</p>
<p>»Die Slumbewohner haben andere Sorgen als einen Gemüsegarten«</p>
<p>Verkat, 43, war bis vor einigen Jahren Teil des indischen Softwarewunders, er hat für den Computerkonzern IBM Büroverwaltungsprojekte aus der Ferne gemanagt. Irgendwann hatte er das Anzug-und-Krawatte-Leben und all die PowerPoint-Präsentationen satt und ist Stadtbauer geworden. Er macht auf seiner eigenen Farm im Norden von Mumbai aus Kuhdung Kompost, zieht dort biologisch angebaute Karotten, Kohl und Spinat, kauft anderen Bauern ihre Ware ab und verkauft sie im Stadtzentrum. Er versucht den Bauern den Verzicht auf künstliche Dünge- und Pflanzenschutzmittel schmackhaft zu machen, verschafft ihnen dafür mal eine Güllepumpe, mal etwas Saatgut. »Wir sind die Großstadt mit den wenigsten Grünflächen weltweit, wir müssen jeden Quadratmeter nutzen«, sagt Verkat.</p>
<p>Sind es romantische Latzhosen-Fantasten, die sich hier treffen? Nein, danach sieht es nicht aus, wenn man näher hinschaut. Was da im Hafen von Mumbai entsteht oder auch hier im Park, orientiert sich eher an den Nasa-Plänen für die Astronautenernährung auf dem Mars. Bananenstauden wachsen in ausgedienten Ölfässern, Basilikum wird in Plastikbechern gezogen, aus einem gelben Farbtopf sprießt eine Insulinpflanze. »A leaf a day keeps diabetes away«, sagen sie hier über das Schattengewächs mit den fleischigen Blättern. Sie ist eigentlich eine jahrhundertealte ayurvedische Heilpflanze – und wird in den Resten der Konsumgesellschaft des 21. Jahrhunderts gezogen.</p>
<p>Und doch ist noch alles weit entfernt von den Visionen, die sie im Westen entwickeln: den 30-stöckigen Gewächswolkenkratzern eines Dickson Despommier, seinen Science-Fiction-Solar- und Wasserspeichern, den von ihm erdachten hochsterilen Nährstofflösungen, die das Ausbreiten von Keimen verhindern und eine wesentlich dichtere Pflanzenproduktion als heute üblich erlauben sollen, und so weiter.</p>
<p>Marshal Deshmukh, ein Mediziningenieur hier beim Mumbaier Landwirtetreff, hält sowieso nicht viel von Hightech-Projekten. Er sei, sagt er, ein Vertreter von »kleiner, weniger, einfacher«. Preeti Patil nimmt ihn sanft zur Seite. Energiewende hin oder her – es wäre gut, wenn er endlich mal den Beamer zum Laufen brächte. Die neuen Urban-Leaves-T-Shirts müssen auch noch ausgepackt werden. Schließlich ist morgen Weltküchengartentag.</p>
<p>Und manchmal scheitern die Projekte. Nebenan im Dharavi-Slum haben die Urban-Leaves-Aktivisten es vor Kurzem mit einem Stadtfarmprojekt probiert. Es klang alles sehr gut. Die Kinder könnten sich besser ernähren; die Familien könnten sich mit dem Geld, das sie für Lebensmittel einsparen oder gar aus dem Verkauf einnehmen, eine bessere medizinische Versorgung leisten; die Abfälle würden recycelt, das Nutzwasser würde wiederverwertet und gesäubert; das Klima würde besser und die CO₂-Bilanz auch. Hätte, würde, wäre.</p>
<p>»Eigentlich weiß niemand besser als die Bewohner der Slums, wie man mit knappen Ressourcen haushaltet. Aber die Menschen dort haben derzeit andere Sorgen als einen eigenen Gemüsegarten – die müssen schauen, woher sie Wasser, Strom und ein paar Rupien bekommen«, sagt Aditi Joshi. Spätestens wenn die Krabbenpulsaison beginnt, hat in Dharavi keiner mehr Zeit fürs Unkrautjäten. Deshalb ist das Slumprojekt erst mal auf Eis gelegt.</p>
<p>Die Urban-Leaves-Aktivisten haben nun, mit Regenschirmen in der Hand, ihre Beete abgeerntet und Knoblauch, Basilikum, Karotten und Auberginen mitgebracht, jetzt feiern sie eine Art Erntedanktag. Die T-Shirts sind verteilt, der Beamer funktioniert. Man kocht gemeinsam, tauscht Rezepte aus, ist sich einig im Kampf gegen Plastik und für Edelstahl.</p>
<p>Für die meisten war die Regenzeit in diesem Jahr einfach zu lang, ihre Ernte ist schlicht abgesoffen. Verkat, der ehemalige IBM-Manager, hatte Glück mit seiner Farm am Stadtrand. Er zieht sein Smartphone aus der Tasche, ruft ein paar Dateien auf und grinst zufrieden. »Ich habe zwar mein ganzes Erspartes in Tomaten und Karotten gesteckt, aber die Investition beginnt sich zu lohnen. Ich stehe kurz vor dem Break-even.«</p>
<p>QUELLE: DIE ZEIT, 20.10.2011 Nr. 43</p>
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		<title>Wie geht es dem deutschen Mann 2010, Herr Professor Sloterdijk?</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Jun 2011 12:12:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thiele</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Warum es niemandem schadet zu üben und woran man merkt, dass das Christkind kommt
(Playboy, April 2010)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Peter Sloterdijk, pardon: Prof. Dr. Peter Sloterdijk, ist der FC Bayern München unter Deutschlands Denkern: selten zu schlagen, nicht ganz frei von Selbstbewusstsein und wegen seiner Erfolge von Vielen beneidet. Wir sprachen mit ihm über die Unmännlichkeit des Herumstehens, über Muskelschwule – und darüber, wie es ist, wenn man in Sachen Sex ein Depp ist</p>
<p>Interview Alexander Runte, Christian Thiele // Fotos Urban Zintel<br />
(Playboy, April 2010)</p>
<div class="downloads"><a href="http://www.christian-thiele.com/wp-content/uploads/Wie-geht-es-dem-Deutschen-Mann-2010-Herr-Professor-Sloterdijk.pdf" target="_blank"><img src="/wp-content/themes/thiele_1/images/pdf_small.jpg" alt="download" /> Artikel als PDF</a></div>
<p><em>Das Restaurant, das sich Peter Sloterdijk ausgesucht hat, ist nicht wirklich eine Pommesbude: ein Stern, Küchengrüße noch und nöcher, für<br />
die Weinkarte sollte man vorher besser den Kreditkartenrahmen erhöhen lassen. Sloterdijk hat einen anstrengenden Tag hinter sich: Derrida-Seminar und ein bisschen am neuen Buch geschrieben. Sloterdijk und sein Schnauzbart nehmen Platz unter einer abenteuerlichen Deckenbemalung, über beiden – ausgerechnet – die Darstellung eines Unzivilisierten, eines Indianers. Er hat gerade auf „heute“ gesehen, wie Bundeskanzlerin Merkel, der einzige echte Kerl in der Regierung, die parteiinternen Kritiker abwatscht. Was bietet sich zum Gesprächseinstieg an? Richtig, das Thema Männer.<br />
</em><br />
<strong>Playboy:</strong> Herr Professor Sloterdijk, der deutsche Mann 2010 – wie geht es dem?<br />
<strong>Sloterdijk:</strong> Das weiß ich nicht, ich kenne ihn ja nicht. Er ist ein statistisches Phantom, dem man im Leben nicht begegnet. Die Soziologen sagen, er leidet mehr als früher.<br />
<strong>Playboy:</strong> Woran leidet er denn?<br />
<strong>Sloterdijk:</strong> Unter Bedeutungsverlust. Wir Männer waren ja meistens bedeutungslos, haben aber nicht darunter gelitten. Jetzt wird die Zumutung, bedeutend zu sein, viel stärker an einen herangetragen. Folglich fällt es stärker auf, wenn man der Erwartung nicht genügt.<br />
<strong>Playboy:</strong> Welche Aspekte sind es sonst, die heute an Männern neu zu Tage treten?<br />
<strong>Sloterdijk:</strong> Männer werden seit den siebziger, achtziger Jahren als Kunden entdeckt, sie bilden neuerdings eine Klientel für luxuriöse Selbstsorge. Das ist ein riesenhafter Markt, es öffnet sich ein Fass ohne Boden, sobald die Kerle auf ihr Äußeres achten. Früher brauchte man höchstens einen Uniformschneider, das war es dann auch schon. Jetzt ist eine ganze Industrie aufgestellt, um die Nachfrage nach Männlichkeits-Accessoires zu befriedigen.<br />
<strong>Playboy:</strong> Ein zivilisatorischer Fortschritt?<br />
<strong>Sloterdijk:</strong> Wie man’s nimmt. Mein Großvater hätte es für Dekadenz gehalten, wenn Männer über den Gebrauch des Rasierwassers hinaus irgendetwas Parfümiertes an ihren gestählten Leib heranlassen. Er hätte Sodom und Gomorrha gerufen. Heute ist das ganz normal&#8230;</p>
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		<title>Im verfluchten Berg</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Jun 2011 11:58:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thiele</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie die bolivianischen Mineros im Cerro Rico ihr Leben für ein paar Krumen Silber riskieren. (Playboy 2/2008) ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier hätte man die Hölle nicht vermutet &#8211; auf fast 5000 Metern über dem Meeresspiegel. Zugedröhnt mit Schnaps und Coca, malochen die Arbeiter im Cerro Rico in Bolivien. In der gefährlichsten Silbermine der Welt<br />
(Playboy, 2/2008) </p>
<div class="downloads"><a href="http://www.christian-thiele.com/wp-content/uploads/Im-verfluchten-Berg.pdf" target="_blank"><img src="/wp-content/themes/thiele_1/images/pdf_small.jpg" alt="download" /> Artikel als PDF</a></div>
<p>Möge ihn die Heilige Mutter Erde behüten. Dass ihm keine Dynamitstange in der Hand explodiert, kein Zentner Berg auf den Kopf fällt. Und möge ihm – das Allerwichtigste – der „Onkel“ seinen Schutz spenden.<br />
Pedro Takuri hat kurz den Helm gelüftet, mit der Rechten drei Kreuze über die Brust gestrichen und hastig sein Gebet genuschelt. Ein letztes Blinzeln in die Sonne, ein paar Schritte, und schon hat ihn der Berg in seinen dunklen Schwitzkasten genommen, der reiche Berg, der  verfluchte Berg.<br />
Der Tag, der für Pedro gerade beginnt, wird für ihn am Ende nicht viel mehr übrig haben als ein Säckchen Silberstaub und einen ordentlichen Kombirausch aus Coca, Schnaps und Bier. Es ist für ihn ein ganz normaler Arbeitstag. Ein Tag, der – aus medizinischer Sicht – sein Leben um anderthalb Tage verkürzen wird.<br />
Pedro ist 40 Jahre alt. Aber er könnte auch Mitte 50 sein, mit seinem matten, ausgelaugten Blick. Seine rechte Backe ist dick, wie aufgeblasen – von den Coca-Blättern, die den Hunger stillen und die Müdigkeit vertreiben sollen. Sie haben ihm da, wo normalerweise die Schneidezähne sind, ein schwarzes Loch in den Mund geätzt, wie bei so vielen „Mineros“ hier am Cerro Rico, dem „Reichen Berg“, in Potosí, Bolivien.<br />
Pedro ist Vorarbeiter in der „Cooperativa 10 de Noviembre“. So steht es in roter Farbe über dem Eingang gesprüht, hier auf 4367 Metern über dem Meeresspiegel. Es ist die höchste, älteste – und wohl gefährlichste Silbermine der Welt.<br />
In seinen Gummistiefeln tappt Pedro durch die Staubschwaden. Am Boden wirre Schienenstränge, von der Decke zischt ein Luftschlauch. Die Funzel auf seinem Helm leuchtet einen blassen Streifen in das Dunkel. Es gibt hier keine Wegweiser. Aber Pedro weiß: Nach der zweiten Schienenkreuzung geht es links, dann wieder nach der zweiten rechts. Mal aufrecht, mal gebeugt. Dann muss er durch ein Loch<br />
kriechen, einen Hang hinaufrobben und sich auf einem windschiefen<br />
Brett an einer Wand entlanghangeln.<br />
In den Alpen wäre Pedros Arbeitsweg ein mittelschwerer Klettersteig.<br />
Nur wäre er dort 2000 Meter niedriger gelegen und mit Drahtseilen gesichert. Nach einer halben Stunde ist Pedro da, wo er hinwill. Da, wo dem Berg mit Hammer und Meißel noch ein kleines bisschen Silber aus den Eingeweiden zu kratzen ist&#8230;</p>
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		<title>Die Clintons hoch zwei</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Jun 2011 11:42:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thiele</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie das Ehepaar Kirchner die Macht in Argentinien teilt - und damit verdoppelt
(Die Zeit, 25.10.2007) ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Politehepaar Kirchner ist Argentiniens Macht-AG. Es teilt alles, auch das Präsidentenamt. Cristina, die Senatorin, soll Néstor im März an der Staatsspitze ablösen.<br />
(Die Zeit, 25.10.2007) </p>
<div class="downloads"><a href="http://www.christian-thiele.com/wp-content/uploads/Die-Clintons-hoch-zwei.pdf" target="_blank"><img src="/wp-content/themes/thiele_1/images/pdf_small.jpg" alt="download" /> Artikel als PDF</a></div>
<p>Buenos Aires<br />
Sie wollte eigentlich für eine Jura-Prüfung lernen. Er aber suchte Unterhaltung, denn sein WG-Partner war ausgeflogen. Also kam Néstor bei seiner Studienfreundin Cristina vorbei. Schon ein bisschen angetrunken, aber das machte offensichtlich nichts. An jenem Frühlingssamstag im September 1974 wurden die beiden ein Paar. Sie, die aparte Brünette mit den braunen Kulleraugen. Und er, der Schlacks aus dem patagonischen Süden, der statt »s« stets »sch« sagte. Das ist das große Eröffnungskapitel im gemeinsamen Leben von Néstor Kirchner und Cristina Fernández.</p>
<p>Am 25. Mai 2003, dem argentinischen Nationalfeiertag, schreibt das Paar sein zweites wichtiges Lebenskapitel: Auf dem Balkon des schweinchenrosa Präsidentenpalastes an der Plaza de Mayo, da, wo Buenos Aires gegründet worden ist, steht sie, die Senatorin, weinend vor Glück. Daneben ihr Mann Néstor, der neue Staatschef, über der Brust die blau-weiße Amtsschärpe, in der rechten Hand den silbernen Knauf des Präsidentenstabes. Jetzt beginnt das neue Kapitel der Kirchners. Manche behaupten, sie wüssten schon, was drinsteht. Das Kapitel, heißt es, werde ein Knaller und schon im März der Öffentlichkeit vorgestellt. Es geht so: Néstor Kirchner, dann 57, gibt die Macht ab. Nicht er wird kommenden Oktober zur Präsidentschaftswahl antreten, sondern Cristina Fernández de Kirchner (54). Seine Frau, die wichtigste Senatorin im Land und die bekannteste Politikerin, wird dann die erste gewählte Präsidentin Argentiniens.</p>
<p>Als Liebende haben sie eine Familie gegründet; als Geschäftspartner sind sie gemeinsam reich geworden; und als Polittandem bestimmen sie die Geschicke des Landes: Die Kirchners sind ein Powerpaar, wie es selten eines gibt: Kann man sie mit dem argentinischen Politpaar Evita und Juan Perón vergleichen? Irgendwie gar nicht. Und irgendwie doch.</p>
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		</item>
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		<title>Der Landnehmer</title>
		<link>http://www.christian-thiele.com/2011/06/der-landnehmer/</link>
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		<pubDate>Thu, 16 Jun 2011 11:31:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thiele</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Warum der Modezar Douglas Tompkins im Schlabberlook durch seine patagonischen Ländereien streift - und was das alles mit der Zukunft des Planeten zu tun hat
(Die Zeit, 14.6.2007) ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was bewegt eigentlich&#8230; Douglas Tompkins<br />
(Die Zeit, 14.6.2007)</p>
<div class="downloads"><a href="http://www.christian-thiele.com/wp-content/uploads/Der-Landnehmer.pdf" target="_blank"><img src="/wp-content/themes/thiele_1/images/pdf_small.jpg" alt="download" /> Artikel als PDF</a></div>
<p>Selbst die Begrüßung ist ein Sparmodell. » Hi, ich bin Doug«, sagt der schmale Herr mit dem matten Händedruck. Er wirkt, als käme er direkt aus der Kleiderkammer der Heilsarmee: ausgelatschte Bootsschuhe, ein altes Baseballkäppi, ein verwaschen-braunes Hemd mit abgestoßenem Kragen. Diesem weißbärtigen Alm-Öhi, der da gerade aus dem Flugzeug gestiegen ist, möchte man am liebsten ein paar Pesos in die Hand drücken, damit er sich was Anständiges zum Anziehen kauft. Aber erstens sind die Shoppingmöglichkeiten hier im chilenischen Patagonien recht begrenzt. Zweitens weiß er mit Sicherheit, wie man sich richtig kleidet, und besitzt auch das nötige Geld dafür. Und drittens gehört ihm, Douglas Tompkins, das Land hier. Da kann er schließlich herumlaufen, wie er will.</p>
<p>Es ist früh am Morgen im Valle Chacabuco in Südchile. Die matte Sonne des südlichen Herbstes zeichnet lange Schatten an die Holzhütten. Wie zur Begrüßung wiehern ein paar Guanacos von den Hängen sie hören sich an wie kaputte Mofa-Anlasser. Die Autos wurden noch schnell vom Rasen weggeparkt, die Köchin hat ein paar Hühnern mehr den Hals umgedreht, Gemüse für das Mittagessen geschnippelt: Schließlich ist gerade der Chef gekommen.</p>
<p>Tompkins gehörte einst zu den größten Textilzaren der Welt. Er war Herr über Tausende von Filialen und Hunderttausende von Mitarbeitern.</p>
<p>Das war, als er noch Outdoorartikel für die von ihm gegründete Firma The North Face produzierte. Sowie Herren-, Damen- und Kindermode für die ebenfalls von ihm gegründete Modemarke Esprit.</p>
<p>Seine Firmenanteile hat er versilbert, oder besser: vergrünt. In den Kauf von Land gesteckt. Steppen und Regenwälder, Fünftausender-Gipfel und pazifische Fjorde, Flüsse und Sümpfe alles seins, Tiere inklusive. Mehr als 800000 Hektar hat Tompkins in Chile und Argentinien gekauft, eine Fläche etwas größer als Kreta. Der US-Amerikaner, 64 Jahre alt, ist einer der größten privaten Landeigner der Welt&#8230;</p>
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		<title>Das Gaucho-Gen</title>
		<link>http://www.christian-thiele.com/2011/06/das-gaucho-gen/</link>
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		<pubDate>Thu, 16 Jun 2011 10:47:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thiele</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie das Soja die argentinische Pampa erobert - und die Rinder von der Weide drängt
(Die Zeit, 24.4.2007)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit biotechnisch verändertem Soja machen argentinische Bauern ein Vermögen – und schaden der Umwelt.<br />
(Die Zeit, 24.4.2007)</p>
<div class="downloads"><a href="http://www.christian-thiele.com/wp-content/uploads/das-gaucho-gen.pdf" target="_blank"><img src="/wp-content/themes/thiele_1/images/pdf_small.jpg" alt="download" /> Artikel als PDF</a></div>
<p>So muss ein fröhlicher Landmann aussehen: Eduardo L’Episcopo zieht sich seinen Strohhut in die Stirn, verschränkt die Arme vor dem Bauch und schaut zufrieden auf sein Feld. Die orangefarbene Sämaschine röhrt vorbei über den stoppeligen Acker, von rechts nach links und von links nach rechts. Alle 52 Zentimeter stopft sie mit einem kurzen »Pffft« Sojabohnen in die Erde, in Zwölferreihen. »Das wird eine sehr gute Ernte«, sagt L’Episcopo, »das weiß ich schon jetzt. Nicht zu trocken, nicht zu feucht – perfekt!«</p>
<p>Es ist Dienstagnachmittag, die Sonne macht schon lange Schatten. Dienstags schaut der 54jährige Agraringenieur immer hier vorbei, auf den Sojafeldern von Santa Teresa, 60 Kilometer südlich der zentralargentinischen Stadt Rosario. Hier, im Herzen der Pampa, ist das Land so flach wie platt gewalzt. Ein Paradies für Rinderzüchter, mehr als ein Jahrhundert lang. Aber jetzt sieht man kaum noch Kühe hier. »Das Land gehört der Soja. Ist einfach profitabler«, sagt L’Episcopo und stopft sein grünes Poloshirt in die Jeans. Rund 500 USDollar verdient man hier pro Hektar Soja im Jahr, doppelt so viel wie mit der Viehzucht. Und mehr als wahrscheinlich irgendwo anders auf dem Planeten Erde.</p>
<p>Spätestens im April sind aus den Bohnen hüfthohe Pflanze gesprossen, dann wird geerntet. Und dann werden L’Episcopo und seine Kompagnons wahrscheinlich wieder mal Rekorderträge einfahren. 30 bis 35 Doppelzentner pro Hektar – ein Spitzenwert. Soja boomt in Argentinien. Das Wachstum in China, die Rindermägen in Europa, die Ölmühlen in Japan, all das hat die Produktion der Bohne in den letzten Jahren angetrieben. Auf rund 16 Millionen Hektar – das entspricht etwa der Hälfte der Fläche Deutschlands – pflanzt Argentinien heute Soja an. Seit 2000 hat das Land seine Ausbeute mehr als verdoppelt, auf rund 42 Millionen Tonnen. Fast alles stammt aus genmanipuliertem Saatgut – gemeinsam mit den USA und Brasilien gehört Argentinien damit zu den drei größten der Welt&#8230;</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Design oder nicht sein</title>
		<link>http://www.christian-thiele.com/2011/06/design-oder-nicht-sein/</link>
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		<pubDate>Thu, 16 Jun 2011 10:27:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thiele</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie in Buenos Aires aus Hässlichem Schönes und aus Nutzlosem Nützliches wird (BrandEins, 01/2007)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die neue Hauptstadt des Designs heißt Buenos Aires. Dort werden aus Müll schöne Dinge geschaffen. Und damit neuer Wohlstand<br />
(BrandEins, 01/2007)</p>
<div class="downloads"><a href="http://www.christian-thiele.com/wp-content/uploads/Design-oder-nicht-sein1.pdf" target="_blank"><img src="/wp-content/themes/thiele_1/images/pdf_small.jpg" alt="download" /> Artikel als PDF</a></div>
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