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Na! Hi! N! Warum Sie öfters mal absagen sollten – und wie das geht

„Könnten Sie dieses Projekt übernehmen?“

„Ich fänd’s super, wenn Sie in dem Termin mit Kunden dabeiwären!“

„Du, nur wenn Du die Präsentation machst, wird sie richtig gut!?“

Wer seinen Job halbwegs ernst nimmt und halbwegs gut macht, kennt das: So viele Wünsche, Angebote, Einladungen, Bitten. Und viel zu viele von uns sagen zu viel zu vielen solcher Dinge den verhängnisvollen Kurzlaut: Ja.

Warum verhängnisvoll? Wer zu viel Ja sagt, hat zu wenig Zeit. Für die wirklich wichtigen Dinge, für die wirklich wichtigen Menschen, für sich selbst. Deshalb hilft es wahrscheinlich auch Ihnen, Ihrer Zufriedenheit, Ihrem Energielevel und ja, auch Ihrer Leistungsfähigkeit im Job, wenn Sie mehr ablehnen, verweigern, absagen.

Bloß wie?

Hier einige Tipps, wie Sie einfacher und klarer Nein sagen können – und damit sich und letztlich auch den anderen das Leben leichter machen:

  • Zeit schinden: „Ich kann es Ihnen noch nicht definitiv sagen.“ –  „Können Sie mich nächste Woche nochmal anrufen?“ – „Können wir das übermorgen festlegen?“ Wenn Sie sich mit solchen Sätzen dem unmittelbaren Ja-Zwang entziehen, können Sie in Ruhe Preis und Nutzen der Anfrage abwägen. Und vermeiden so eine Zusage, die Sie entweder später zurückziehen müssen oder die dann Sie mit geballter Faust in der Tasche absolvieren.
  • Ja-Kosten kalkulieren: So gut wie alle von uns haben genug zu tun. Wenn Sie also irgendwas irgendwem irgendwo zusagen, heißt das, dass Sie bei irgendwas anderem, irgendwem anderem oder irgendwo anders kürzen müssen. Und wenn es die Familie oder die Freizeit ist. Ein Ja kostet viele Neins, ein Nein hingegen ermöglicht manchmal ein wichtiges Ja an anderer Stelle. Machen Sie sich das bewusst!
  • Den Jaismus erkunden: Fragen Sie sich, warum Ihnen ein Nein so schwer fällt. Wollen Sie nett sein, anerkannt werden, schulden Sie Ihrem Gegenüber etwas oder haben Sie sich irgendeine andere „disease to please“ angewöhnt? Haben Sie Angst vor Unterbeschäftigung? Oder davor, etwas zu verpassen? Wenn Sie da ein wenig Seelenforschung betrieben haben, hilft Ihnen vielleicht gleich der nächste Punkt:
  • Konsequenzen des Neins drastifizieren: Malen Sie die möglichen Folgen eines Neins in den dunkelsten Farben aus, bis zur Karrikatur – und Sie werden in aller Regel feststellen: So schlimm wird’s kaum kommen. Sie werden aller Voraussicht nach nicht für immer als Egoist abgestempelt werden, den Job und/oder alle Freunde verlieren, bloß weil Sie das Projekt, den Vortrag oder die Verabredung ab- statt wie sonst üblich zusagen.
  • Auf das Innere hören: Eigentlich sind wir ja als Menschen ziemlich simpel gestrickt. Wir finden etwas entweder gut – oder schlecht. Lecker Hammhamm – oder Säbelzahntiger, so einfach mussten wir in 99 Prozent unserer evolutionären Geschichte entscheiden. Der Vorteil daran: Auch heute noch, in einer viel komplexeren Welt, zeigen uns die so genannten somatischen Marker innerhalb von Millisekunden an, ob wir etwas wollen oder nicht wollen. Wir haben es nur verlernt, auf das Grummeln im Magen zu hören, das Kribbeln im Nacken oder mit welchen Signalen auch immer Ihre persönliche körpereigene Ampel Stop oder Go anzeigt. Ein gutes Hilfsmittel: Werfen Sie die Münze und lassen Sie die Entscheidung per Kopf oder Zahl fällen. Wenn Sie mit dem Ergebnis unzufrieden sind und intuitiv nochmal werfen wollen, dann wissen Sie Bescheid. Und wenn Sie den Münzwurf akzeptieren – um so besser!
  • Regeln aufstellen: Nehmen Sie sich selbst vor: Maximal ein Vortrag pro Monat oder maximal eine Lunchverabredung pro Woche oder maximal fünf Projekte gleichzeitig. Nur als Beispiel. So fällt es Ihnen leichter, zu erkennen, was einfach nicht mehr geht.
  • Höflich bleiben: „Es freut mich sehr, dass Sie da an mich denken!“ – „Danke für die Anfrage!“ – „Das ehrt mich!“ Je höflicher Sie sich für die Bitte/Anfrage bedanken, desto leichter dürfte Ihnen ein abschließendes klares Nein fallen.
  • Prinzipiell werden: „Das hat nichts mit Ihnen zu tun – aber solche Sachen mache ich grundsätzlich nicht/nicht mehr.“ So abgefedert, ist das Nein für den Gegenüber leichter zu schlucken.
  • Vernetzen: „Ich kann da nicht – aber fragen Sie doch XY!“ Mit einem solchen Nein machen Sie vielleicht am Ende noch zwei andere glücklich – den Anfrager und den Angeklagten.
  • Gar nichts sagen: Manche – zumindest schriftliche – Anfragen erledigen sich von selbst.

Na, welche Nein-Strategie funktioniert für Sie am besten? Probieren Sie einmal ein paar aus. Und schreiben Sie mir gerne!

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