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Was und für wen ist Teamentwicklung – und was und für wen nicht?

Für wen?

Wenn Sie eine Abteilung/einen Bereich/ein Team leiten oder in einem arbeiten oder für eines als PersonalerIn zuständig sind, das:

  • neu entstanden ist
  • aus einer Fusion oder Umstrukturierung neu zusammengesetzt worden ist
  • neue Aufgaben bekommen hat
  • oder aber das seit langer Zeit und in hoher Konstanz zusammengewachsen ist und bei dem Verkrustungsgefahr besteht
  • und/oder in dem leichte bis mittelschwere Konflikte häufiger werden, also Rangeleien um Zuständigkeiten, Befugnisse, Ziele
  • und/oder in dem wichtige oder mehrere Personen neu dazukommen sind
  • und/oder in dem Nörgeleien, Missverständnisse, Streits heftiger und häufiger werden
  • und/oder in dem sich harte Indikatoren verschlechtert haben (wie etwa Fehltage, Fluktuation, Kundenbeschwerden, Termintreue, Qualität, Fehler),

dann könnte eine Teamentwicklung durchaus Sinn ergeben.

Was ist Teamentwicklung nicht?

Teamentwicklung oder Teambuilding oder Teamcoaching ist nach meinem Verständnis

  • kein Seilgarten/Hindernisparcours/Bastelprojekt um des Seilgarten/Hindernisparcours/Bastelprojekts willen
  • keine komplett vorhersagbare, durchplanbare Maßnahme
  • nie perfekt
  • kein Allheilmittel, und erst recht keines, das sofort wirkt
  • keine Expertenberatung durch einen schamanisch-schlauen Externen, der das Team auf Vordermann bringt und ihm erklärt, wie es zu laufen hat
  • keine Provokation um der Provokation willen
  • aber auch kein reines „Das macht Ihr ganz toll, das kann genau so weiter laufen“ – denn weitermachen wie bisher können Teams in der Regel alleine, dafür kann man sich den Aufwand und die Kosten einer Teamentwicklung sparen  

Was ist Teamentwicklung?

Ich verstehe Teamentwicklung als einen Prozess hin zu einem verbesserten Miteinander in der Arbeit. Diese Verbesserung kann fachlich-prozessual-sachlicher Art sein, sie kann zwischenmenschlicher Art sein, und häufig ist sie ein wenig von alledem. Sie ist ein Stück weit eine Reise ins Ungewisse. Eine Maßnahme im Spannungsfeld zwischen Verträglichkeit, Rücksichtnahme und Sorgfalt auf der einen Seite – und Irritation, Zumutung und Mut auf der anderen Seite. Teamentwicklung stört immer irgendwen und irgendetwas, mitunter ver-stört sie sogar zeitweilig. Aber dafür hat sie, wenn sie gut läuft, eigentlich immer mehr Verständnis, intensiveren Austausch und mehr Klarheit zum Ergebnis. Eine Art „kontrollierte Sprengung“ (Eberhard Stahl) des Alten, eine Art soziales Versuchshandeln hin zu möglichem Neuem – auch das kann eine Teamentwicklung sein. Mehr Freude und Gaudi im Miteinander während und nach der Teamentwicklung: für mich immer wichtige Ziele! Seilgarten/Hindernisparcours/Bastelprojekte können dazu beitragen – aber es geht auch anders.

Wie kann Teamentwicklung ablaufen?

Wichtig für eine gute Teamentwicklung: eine gründliche und doppelte Auftragsklärung. Also einmal, vorab, mit der Auftraggeberin oder dem Auftraggeber. Und dann, zu Beginn der Maßnahme, direkt mit den Beteiligten. Vom Thema, von den Zielen, von den Rahmenbedingungen hängt dann ab, welche Methoden ich sinnvollerweise zum Einsatz bringe. Das kann eine Konfliktklärung sein. Das mag eine Verständigung über die Ziele, die Kultur oder die Rollen im Team sein, das können aber auch Trainingsinhalte (z.B. Kommunikation, Konflikt, Feedback) oder Entscheidungen zur Veränderung von Strukturen, Zuständigkeiten, Abläufen oder zur Verbesserung des Informationsflusses sein. Und wie gesagt, besonders gerne bin ich mit Gruppen in den Bergen unterwegs – wie zum Beispiel bei unserer Elmau-Challenge. 

Praktisch immer führt eine Teamentwicklung, unabhängig vom konkreten Verfahren, zu mehr oder weniger großen Ahas, Öhas und anderen überraschenden und überraschten Einsichten bei den Teammitgliedern über die Interaktionen, die Kultur, die Abläufe oder all das andere, was man so leicht als „normal“, als „selbstverständlich“ oder „so machen wir das hier eben“ empfindet. 

Veränderung hat immer einen Preis. Es ist mir daher wichtig, mit Prognosen für größtmögliche Transparenz zu sorgen bezüglich Preis und Nutzen bei der Aufgabe von Gewohntem und dem Ansteuern von Neuem. Im Wissen, dass diese Prognosen immer nur vorläufig sein können.

Zwingend ist am Ende des Teambuildings ein konkreter Transfer in den Alltag, damit die Gruppe nach der Intervention wirklich effizienter, effektiver, klarer, wertschätzender zusammenarbeiten kann.

Was hilft bei einer Teamentwicklung?

Ein paar typische Erfolgsfaktoren für Teamentwicklungen:

  • möglichst alle Beteiligten sind dabei, inklusive Führenden
  • Ort fernab der Arbeit, das bringt mehr Sauerstoff ins Miteinander
  • um die Fermentierzeit zu begünstigen: mindestens anderthalb, besser zwei Tage
  • die Bereitschaft zu einem oder mehreren Update-Terminen (8-12 Wochen später)
  • eine gewisse Beinfreiheit für Trainer und Gruppe, um auch auf Fragestellungen einzugehen, die in der Erst-Anamnese mit FührendeR oder Personalverantwortlicher/M weniger sichtbar geworden sind 

Wo kann ich vorab mehr über Teams/Teamentwicklung erfahren?

Ein großartiges, schlaues, lesbares Buch zu Theorien und Methoden der Teamentwicklung: Eberhard Stahl, Dynamik in Gruppen, https://www.beltz.de/fachmedien/psychologie/buecher/produkt_produktdetails/34569-dynamik_in_gruppen.html

Sehr anschaulich und doch sehr lebensnah zur Klärung von Konflikten im Team: Christoph Thomann, Klärungshilfe 3, https://www.rowohlt.de/taschenbuch/christoph-thomann-klaerungshilfe-3.html

Für die, die tiefer gehen wollen: Eine Vielfalt an unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven auf Kleingruppen, von psychodynamischen über feministische bis hin zu Netzwerk-Ansätzen: Marshall Scott Poole, Theories of Small Groups, https://uk.sagepub.com/en-gb/eur/theories-of-small-groups/book226399

Knapp, praktisch, pragmatisch zu virtuell geführten Teams: Hassan Osman, Influencing Virtual Teams: 17 Tactics That Get Things Done with Your Remote Employees, https://www.amazon.de/Influencing-Virtual-Teams-Tactics-Employees-ebook/dp/B00LGWDGG6 

Einen spannende Reportage über Vertrauen, Kommunikationscluster und weitere Kooperationsfaktoren in Teams: Daniel Coyle, The Culture Code: The Secrets of Highly Successful Groups, https://www.amazon.com/Culture-Code-Secrets-Highly-Successful-ebook/dp/B019CGXU68/ref=tmm_kin_swatch_0?_encoding=UTF8&qid=&sr=

Und wie komme ich jetzt an eine Teamentwicklung?

Wenn Sie oder Menschen aus Ihrem Unternehmen/Bereich/Team Interesse haben: Gerne bei mir melden. Und wir reden über die Details!

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